Treffpunkt: (Schul-)Bibliothek

14.11.2025 | Von Mechthild Bauer | Aus den Bibliotheken | Bibliothek und Schule | Schulbibliothek Pestalozzi

In den 2025 erneuerten zehn Grundsätzen für Schulbibliotheken ist festgehalten, dass diese Bibliotheken nicht nur der Bildungsgerechtigkeit und dem Lehrplan verpflichtet sind, sondern auch ein partizipativ arbeitender Lehr-/Lern- und Aufenthaltsort sein sollen, «… an dem sich alle wohlfühlen»*. Im Folgenden wird ausgeführt inwiefern eine Schulbibliothek auch ein Aufenthaltsort und damit ein sozialer Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen sein kann.

Von Mechthild Bauer
Mechthild Bauer hat einen M. A. in Kunstgeschichte, Religionswissenschaft und Geschichte. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Gemeindebiblio- thekarin und schloss den STUBE‑Fernkurs für Kinder‑ und Jugendliteratur in Wien erfolgreich ab. Seit über zehn Jahren leitet sie die Bibliothek im Primarschulhaus Pestalozzi in Bern, arbeitet dort in der Tagesbetreuung mit und ist Honorar­kraft an der PH Bern. Zudem verfasst sie Rezensionen für Kinder- und Jugendmedien Bern-Freiburg.
Seit vielen Jahren schon sind Bibliotheken «dritte Orte», in denen nicht nur gelernt wird und Medien zur Ausleihe bereit stehen: Auch wird dort genäht, Sprachen gelernt, Sämlinge für Pflanzen abgeholt, gemeinsam Kaffee getrunken und sich ausgetauscht: Sie sind Treffpunkte für alle Menschen. In anderem -vielleicht kleinerem- Rahmen können auch Schulbibliotheken «dritte Orte» sein:
  • Während der Unterrichtszeiten sind sie Arbeits- oder Rechercheorte, in denen (klassenübergreifend) Medien ausgeliehen werden. Für Referate wie Vorträge werden Informationen in Büchern und im Internet gesucht und miteinander besprochen.
  • In den grossen Pausen können alle Schüler*innen Medien für zu Hause ausleihen oder die Bibliothek als Rückzugsort aufsuchen. 
  • In den meisten Schulen nutzen die Kinder der Tagesbetreuungen die Bibliothek ganzjährig zum Lesen, Treffen, Spielen und «Quatschen».
  • Schulbibliotheken können auch Treffpunkte für Lehrkräfte sein, die sich gemeinsam auf den Unterricht vorbereiten wollen.
  • Vereinzelt haben Schulbibliothek nachmittags öffentliche Ausleihzeiten für alle Kinder eines Quartiers und dienen so als Quartiertreffpunkte für die ganze Familie.
  • Einige Schulbibliotheken erhalten Unterstützung durch einen Förderverein, der zu Gunsten der Bibliothek einen Sponsorenlauf organisiert, bei dem sich viele Eltern und Quartierbewohner engagieren.
Bilderbuchkino-002-1.jpg
Bilderbuchkino (Foto: Pestalozzi-Bibliothek)
 
Im Folgenden werden am Beispiel der Berner Primarschulbibliothek Pestalozzi einige schulinterne und öffentliche Veranstaltungen beschrieben, in denen sich unterschiedliche Gruppen treffen, austauschen und vernetzen können:
  • In spezifischen Bibliothekseinführungen werden die Kindergartenkinder mit Bilderbuchkinos mit der Bibliothek vertraut gemacht und erhalten eine persönliche Ausleihkarte. Ein bibliothekspädagogisches Spiralcurriculum legt die weitere Nutzung der Bibliothek in den späteren Schuljahren fest.
  • Ein zentrales Angebot der Bibliothek ist das Freifach Biblioclub, in dem sich wöchentlich Schüler*innen aller Schulstufen treffen um Themen wie Kinderrechte zu bearbeiten, Rezensionen zu schreiben, sich zu Literatur austauschen, gemeinsam neue Autor*innen kennenlernen, ins Theater / Kino gehen und vieles mehr.
  • Während des Projektunterrichts treffen sich unter Anleitung der Bibliothekarin Schüler*innen unterschiedlicher Klassen zur Recherche für ihr Projekt.
digitale-Lesung-mit-Torben-Kuhlmann-002.jpg
Digitale Lesung mit Torben Kuhlmann (Foto: Pestalozzi-Bibliothek)
  • In regelmässig stattfindenden Lesungen oder Workshops mit Autor*innen- oder Illustrator*innen treffen Kinder einer ganzen Stufe (acht Klassen) aufeinander und lernen sich kennen.
  • Klassenübergreifend gehen Schüler*innen mehrfach im Jahr gemeinsam neue Medien für die Bibliothek einkaufen.
  • Täglich treffen sich die Schüler*innen der Tagesbetreuung in der Bibliothek zum «Quatschen» und Lesen.
  • Häufig verabreden sich nachmittags Familien zum gemeinsamen Vorlesen in der Bibliothek.
  • Hin und wieder werden in der Bibliothek Beratungen für Eltern angeboten, die ihre Kinder beim Lesenlernen unterstützen wollen.
  • Meist einmal im Jahr treffen sich Eltern (mitorganisiert durch den Elternrat) am Abend um gemeinsam beschädigte Bücher zu flicken.
Lesung-mit-Daniel-Fehr.png
Lesung mit Daniel Fehr  (Foto: Pestalozzi-Bibliothek)
  • Im Rahmen der jährlich stattfindenden Bibliotheksnacht haben Schüler*innen die Gelegenheit, in der Bibliothek zu übernachten.
  • Manchmal beteiligt sich die Bibliothek an der vom SIKJM schweizweit organisierten Erzählnacht und / oder dem Vorlesetag, an dem die Kinder unterschiedlichen Alters teilnehmen können.
  • Beim jährlichen Sponsorenlauf der Schüler*innen, organisiert durch den Unterstützerverein, treffen sich viele Quartierbewohner*innen auf dem Medienflohmarkt.
  • Regelmässig finden nachmittags öffentliche Veranstaltungen für alle Kinder des Quartiers statt, zum Beispiel Bilderbuchkinos und Adventslesungen, die von Lehrkräften, Mitarbeiter*innen der Tagesbetreuung, Eltern oder Grosseltern gestaltet werden. Ab und zu gibt es Lesungen in anderen an der Schule vertretenen Erstsprachen.
Rezensionen-des-Biblioclubs-zu-Buchern-zu-Kinderrechten-im-Schaufenster-des-Chinderbuechlade.jpg
Rezensionen des Biblioclubs zu Büchern zu Kinderrechten im Schaufenster des Chinderbuechlade
(Foto: Pestalozzi-Bibliothek)

 
In diesen Angeboten in einem attraktiven Raum zeigt sich, dass eine Schulbibliothek nicht nur ein partizipativ arbeitender Ort des Lernens (teaching library) ist, sondern auch ein «dritter Ort» – ein Begegnungs- und sozialer Treffpunkt für das Quartier – sein kann.
 
Mehr zu den folgenden Themen

Aktuelle Bewertung: 0 (0 Bewertungen)