“Come and join us!» Für einmal wendet sich die Stadtbibliothek Burgdorf mit einem Angebot explizit an Jugendliche. Denn Jugendliche lassen sich weder für einen Bibliotheksbesuch noch für freiwillige Lektüre ohne Weiteres begeistern, sogar wenn sie als Kinder oft und gerne eine Bibliothek genutzt haben. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Vielleicht haben sich ihre Interessen verschoben, vielleicht fehlt ihnen nach der obligatorischen Schulzeit einfach die Zeit. Vielleicht fühlen sie sich ich aber auch von den bestehenden Angeboten nicht angesprochen: die einen sind für Kinder gedacht und werden entsprechend besucht, die anderen richten sich an Erwachsene. Die richtige Flughöhe fehlt. Anlässe von Bibliotheken durchgeführt, in denen sich Teenager unter ihresgleichen treffen, sind rar. Viele Bibliotheken beklagen denn auch das Fehlen von jungen Lesenden und bemühen sich aktiv darum, Jugendliche mit attraktiven Angeboten anzusprechen. Doch was sind attraktive Angebote für Jugendliche? Die Auswahl der Medien allein und ein neues Sofa reichen nicht aus.
Die Stadtbibliothek Burgdorf hat sich der Herausforderung gestellt. Nachdem die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass der Booktok-Trend eine neue Lesewelle bei Jugendlichen ausgelöst hat, wurde auch bald deutlich, dass englische Titel gut ankommen. Und wenn Bibliotheken auf eine Welle aufspringen, tun sie das ja nie um ihrer selbst willen. Profit lässt sich bekanntlich im bibliothekarischen Kontext kaum herausschlagen. Das hehre Ziel bleibt daher das allseits spürbare Bemühen um Leseförderung, die sich an jede Altersgruppe reichten sollte. Und so entstand in Burgdorf die Idee zu einem Buchtreff explizit für Teens und mit dem nötigen (englischen) Pepp.
Der “Young Readers’ Book Club” ist eine Abwandlung des Prinzips eines klassischen Buchtreffs oder eines Lesezirkels. Ein Unterschied besteht ganz offensichtlich in der Sprache: es wird nicht auf Deutsch gelesen und diskutiert sondern eben auf Englisch. Viele Jugendliche haben heutzutage solide Englischkenntnisse. Social Media sei für einmal gedankt. Auch verzichtet dieses Angebot auf eine zeitraubende, oft einschüchternde Vorbereitung: «No homework!» ist daher Voraussetzung und Versprechen zugleich. Natürlich lässt sich so kein Buch in der Intensität diskutieren, wie es in einem Lesezirkel möglich ist. Vielmehr liest und bespricht man im «YRBC» gemeinsam lediglich einen Textausschnitt stellvertretend für einen Roman, wobei die Moderatorin eingangs jeweils einen Überblick in Form einer Zusammenfassung gibt.

Als Gastgeberin fungiert in Burgdorf eine junge Studentin, welche Englisch als Muttersprache mitbringt und selber englische Literatur studiert und daher um keine Antwort verlegen ist, wenn es ums sprachliche Fragen geht. Sie begegnet den Interessierten allein schon altersbedingt auf Augenhöhe und kennt die Lektürevorlieben der Teenager. Entsprechend hat sie zwar regelmässig Texte dabei, die auch online angekündigt werden und immer zu einem bestimmten Motto wie «Racism», «The American Dream» oder «Girl Detective» passen. Sie ist aber auch immer für Wünsche offen, wenn sich aus der Diskussion heraus etwas entwickelt. Mit ihrer Titelauswahl richtet sie sich an junge Menschen ab der Oberstufe, die nicht älter als 20 Jahre alt sind und deren English solide genug für eine einfache Diskussion ist. Wer an seinen Sprachkenntnissen zweifelt, wird mit «be brave!» ermuntert, es doch einmal unverbindlich auszuprobieren.
Die Anlässe werden kostenlos zweimal monatlich angeboten und bewusst abends durchgeführt. Eine Anmeldung ist zwar pro Termin zwingend notwendig, damit auch eine verbindliche Planung seitens Bibliothek und Moderatorin möglich ist. Gleichzeitig liegt hier auch die Herausforderung, weil sich (vor allem) junge Menschen heute mehr denn gerne bis zur letzten Minute alle Optionen offenhalten. Es ist entsprechend auch schon vorgekommen, dass ein Termin wegen zu wenig Anmeldungen abgesagt werden musste und dann trotzdem noch verspätete Anmeldungen eingetroffen sind, welche die Durchführung möglich gemacht hätten. Diese Schwierigkeit kennen aber bestimmt auch andere Bibliotheken und weitere Institutionen.
Es ist erfreulich zu beobachten, dass sich das Angebot «slowly but surely» einer wachsenden Beliebtheit erfreut und auch von Lehrpersonen, welche Englisch unterrichten, offenbar aufgegriffen und beworben wird. Die Stadtbibliothek Burgdorf hofft, mit «Young Readres’ Book Club» jugendliche Lesende anzusprechen, die den Fokus nicht einfach auf die Lektüre sondern auch auf eine Sprache und die gemeinsame Zeit legen.