Die Schulbibliothek – mehr als ein Bücherlager!

19.02.2014 | Benutzung | Raum und Infrastruktur | Aus der Praxis - für die Praxis | Bibliothek als Lernort | Bibliothek und Schule

Welche Nutzungen sollte eine Schulbibliothek idealerweise ermöglichen und was muss gegeben sein, damit diese Nutzungen möglich sind?

Judith Zanini ist Lehrerin. Daneben war sie bis 2010 an der PH Zürich, in der Mediothek Sihlhof, tätig. Sie ist ausgebildete Leseanimatorin SIKJM und arbeitet neben der Schule seit 2011 selbständig im Bereich Literale Förderung im Frühbereich mit Kindern, Eltern und Betreuungspersonen. Seit 2005 erteilt sie ausserdem Weiterbildungskurse für Lehrpersonen und Bibliothekspersonal im Bereich Leseförderung, Leseanimation und Informations-kompetenz, u.a. an der PHBern.
Eine Schulbibliothek ist in erster Linie ein Raum für Bücher und Medien. Sie sollte als Unterrichts- oder als Leseraum dienen. Sie kann aber auch als Ort genutzt werden, wo Hausaufgaben erledigt werden, oder wo diskutiert, gespielt, geforscht oder geschrieben wird. Verwendung findet die Schulbibliothek in der Medien- und Informationsrecherche, sie kann ein Labor sein für die Aufnahme und Herstellung von Neuen Medien. Zudem kann die Schulbibliothek auch als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum genutzt werden.
 
In den unteren Klassen steht eher die Nutzung im Bereich Lesen/Unterrichtsraum im Vordergrund. In den höheren Klassen wird der Fokus vermehrt auf die Recherchenutzung oder Herstellung von eigenen Medien gelegt. Die Herstellung von eigenen Medien hängt aber stark von der Ausstattung der Schulbibliothek, dem Know how der Beteiligten und der Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und SchulbibliothekarInnnen ab.
 
Der Nutzung der Schulbibliothek als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum sind keine Grenzen gesetzt. Sie kann z.B. genutzt werden für Autorenlesungen oder Ausstellungen von Lieblingsbilderbüchern der Kindergärtner, Buchplakaten der PrimarschülerInnen oder kurzen Youtube Filmen von animierten Büchern/Comics der Oberstufe.
 
Wie muss eine Schulbibliothek ausgestattet sein, damit die verschiedenen Nutzungen möglich sind?
 
Wichtig sind eine flexible Raumaufteilung und -möblierung.  Ideal sind Möbel auf Rollen und bewegliche Sitzgelegenheiten, die man dorthin verschieben kann, wo man sie braucht, z.B. Sitzsäcke, Hocker oder Einzeltische, die zu grösseren Einheiten zusammengefügt werden können, wenn es nötig ist. (1)

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Mediothek des Schulzentrums Pestalozzi-Gotthelf in Burgdorf
 
Einzelarbeitsplätze, Gruppentische sowie stille Ecken für freies Lesen und bequeme Rückzugsorte (Sofa) gehören ebenfalls dazu, wie feste Stationen der Internet- und Informationsrecherche. Neue Technologien und Medien sind von Vorteil, bedingen aber auch, dass jemand sie bedienen kann.
 
Man kann sich überlegen, betreuungsintensive Bereiche und Kommunikationszonen (z.B. online-Katalog, Zeitschriftenecke, Sofa) eher im Thekenbereich anzusiedeln und die Arbeitsplätze im hinteren Teil der Bibliothek zu platzieren. (1)
 
Genügend Tageslicht in der Schulbibliothek ist unerlässlich. In Räumen, wo man sich wohlfühlt und gerne hingeht, lernt man bekanntlich besser. Licht und Farbe spielen in dieser Beziehung eine wichtige Rolle. (1)
 
Die Schulbibliothek sollte zudem mit folgender Infrastruktur, bzw. folgendem Material ausgestattet sein: Schreibzeug/ Notizblätter/ Kopier- od. Druckmöglichkeiten/ Informationstafeln/ Anleitungen zum Recherchieren/ Anschlagbrett für Kinder/ Jugendecke/ Platz für Ausstellungen/ evtl. Verpflegungsmöglichkeit.(2)
 
Auch Leseanfänger sollten sich ohne Probleme in der Bibliothek zurechtfinden. Dazu trägt ein leicht verständliches Orientierungssystem bei.
 
Damit die Schulbibliothek optimal für die genannten Zwecke genutzt werden kann, braucht es ausserdem:
 
  • freundliches, unterstützendes, geduldiges und qualifiziertes Personal
  • ein vielfältiges Medienangebot bestehend aus Nonbooks, Zeitschriften, Comics, fremdsprachigen Büchern, Hörbüchern zu Lieblingsbüchern von Kindern und einem reichhaltigen Sachbuchangebot
  • systematische Einführungen, denn nur wer die Schulbibliothek gut kennt, kann sie auch gut nutzen. (Es sind mehrere Einführungen im Verlauf der Schullaufbahn der SchülerInnen nötig!). Diese Einführungen sollten mit altersgerechten Methoden durchgeführt werden und altersentsprechenden Inhalt aufweisen.
  • angepasste/grosszügige Öffnungszeiten während der Mittagpause oder nach der Schule
  • Absprachen zwischen Lehrpersonen und Bibliothekarinnen betreffend Ausleihe, Aufräumarbeiten, Medienanschaffung und Benutzungsordnung
  
Faktoren, die dazu beitragen, dass die Bibliothek rege besucht wird
 
Es ist wünschenswert, dass die Schülerinnen „ihre Schulbibliothek“ mitgestalten können (Schülerpartizipation). Sie können z.B. an Ausstellungen mitwirken, den Medieneinkauf mitbestimmen oder beim Aufräumen oder während der Pause bei der Ausleihe mithelfen.
 
Die Schulbibliothek sollte ein Ort der Begegnung sein. Man sollte sie auch ohne feste Absichten betreten dürfen. Einfach nur zum Sein, Faulenzen oder um sich mit Freunden zu treffen. (2)
 
Die Nutzung der Schulbibliothek hängt ebenfalls davon ab, wie sie wahrgenommen wird. Es ist sinnvoll Wegweiser an Orte zu stellen, wo Lehrpersonen und SchülerInnen jeden Tag vorbeikommen. Auch die Öffnungszeiten sollten an verschiedenen Orten präsentiert werden, am schwarzen Brett im Schulhaus, in der Schulzeitung, auf der Schulhomepage und an der Tür der Schulbibliothek sein. (1)
 
Weitere Tipps aus der Praxis
 
Kontinuität und Wiedererkennbarkeit in der Öffentlichkeitsarbeit zahlen sich aus. Es ist von Nutzen, wenn die Schulbibliothek ein eigenes, auf das Schullogo abgestimmtes Logo hat und dieses immer unverändert verwendet. (1)
 
Kontaktpflege ist unerlässlich. Die Schulbibliothek kann sich einmal im Jahr an einer Schulkonferenz vorstellen oder zum Schuljahresbeginn an alle Lehrkräfte eine Infomappe „Schulbibliothek“ abgeben. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Lehrpersonen zum „Bücher-Zmittag“ einzuladen, um so den Ort und das Team vorstellen. Im Übrigen gilt auch hier: Steter Tropfen höhlt den Stein!

Judith Zanini

(1) Vgl. http://www.schulmediothek.de [13.12.2013]
(2) Vgl. http://www.bischu.zh.ch [13.12.2013]





 

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