Vor ein paar Jahren hat die Stadtbibliothek Aarau Lose und Lego® in ihr Veranstaltungsprogramm aufgenommen. Seither ist es ein Dauerbrenner. Die acht Plätze pro Veranstaltung sind jedes Mal aus- bzw. überbucht.
In die Geschichte eintauchen mit Grimm und Möhrchen
(Foto: Stadtbibliothek Aarau)
Wie es dazu kam
Als wir einen Praxisbericht einer deutschen Bibliothek über ein Leseförderungsprojekt mit Lego® entdeckt hatten, waren wir sofort von der Idee begeistert. Immerhin suchten wir seit geraumer Zeit nach einem Angebot, das keinen immensen Aufwand generiert, von nur einer Person durchgeführt werden kann und dessen Hauptzielgruppe Jungs sind. Warum uns ein Angebot, das insbesondere auf Knaben ausgerichtet ist, wichtig erscheint: Sowohl Studien über das Medienverhalten oder spezifisch über die Lesemotivation von Kindern und Jugendlichen wie auch unsere Erfahrung bei der Arbeit mit Schüler*innen zeigen, dass Jungs deutlich weniger oft bzw. v. a. auch weniger oft zum Vergnügen lesen. Geboren war die Idee von Lose und Lego®.
Von Anfang an war klar, dass für die Durchführung ein Mitarbeiter zuständig sein soll und nur bei terminlichen Engpässen eine Mitarbeiterin übernehmen soll. Die Lesesozialisation der meisten Kinder ist hauptsächlich weiblich geprägt. Diejenigen, die ins Lose und Lego® kommen, sollen ein (weiteres) männliches Lesevorbild erhalten. Trotz der Intention eine Veranstaltung zu konzipieren, die v. a. Jungen anspricht, stand auch von Beginn an fest, dass alle Kinder willkommen sind. Wir entschieden uns, das Alter der Zielgruppe auf 6 bis ca. 8 Jahre zu setzen. Wir sind davon überzeugt, dass Kinder, die positive Erfahrungen in der Bibliothek machen – Erfahrungen, die über das reine Bucherlebnis hinausgehen, die die Bibliothek als kreativen Raum und Wohlfühlort erleben lassen – eine Bindung aufbauen, welche auch später nachwirkt und die Lesemotivation fördert.

Das grosse Bauen (Foto: Stadtbibliothek Aarau)
Wie Lose und Lego® funktioniert
Nach einer kurzen Einleitung liest ein Mitarbeiter während ca. 15-20 Minuten eine Geschichte oder das erste Kapitel eines Kinderbuches vor. Im Anschluss wird mit den Kindern darüber gesprochen, wie die Geschichte weitergehen könnte, was sie an der Stelle der Protagonisten machen würden etc. Danach erhält jedes Kind eine grosse Lego®-Platte. Der Inhalt von acht bis oben gefüllten Lego®-Classic-Boxen wird in die Mitte eines Spielteppichs geleert. Legomännchen sind in einem separaten Behälter gesammelt. In den restlichen ca. 30 Minuten können die Kinder etwas zusammensetzen. Ob das Gebaute tatsächlich etwas aus der Geschichte abbildet oder ob unabhängig davon ein Fahrzeug oder ein Haus zusammengesetzt wird, ist nicht relevant. Die Kinder dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Während des Bauens werden Fragen gestellt, der Workshopleiter plaudert mit den Kindern, bestaunt ihre Werke und lässt sie sich erklären. Die meisten Eltern verweilen währenddessen in der Bibliothek und holen die Kinder nach 45 Minuten wieder ab. Die Bauwerke werden zum Schluss mit den Namen der Kinder angeschrieben und für ca. 7-10 Tage beim Eingang der Kinderabteilung ausgestellt, wo sie auch Freunden und Bekannten gezeigt werden können.
Praxistipps
- Ein Anmeldeverfahren ist zwingend erforderlich.
- Ein für die Altersgruppe ideales Vorlesebuch suchen, eine passende Text-Stelle aussuchen, diese vorher ein-, zweimal durchlesen und sich Fragen überlegen.
- Wir haben pro Kind eine Lego®-Classic-Box angeschafft und diese mit Secondhand-Legos® von Flohmärkten, Verkaufsplattformen aufgefüllt.
- Es braucht eine grössere Auswahl an Legomännchen, welche am besten in einem separaten Behälter aufgehoben werden.
- Pro Kind wird eine grosse Legoplatte benötigt.
- Die Lego®-Kunstwerke der Kinder werden im Anschluss öffentlich ausgestellt.
Ausgestelltes Lego®-Kunstwerk (Foto: Stadtbibliothek Aarau)